die
Gerufen – Gekommen – Geblieben!
Gastarbeiter der ersten und zweiten Generation erzählen ihre Geschichte!
Anfang der 60er Jahre kamen die ersten Gastarbeiter nach Northeim. Große Firmen wie Continental, Hush Puppies, Frankenberg, Linow und später dann Breckle und Wilvorst warben damals um Gastarbeiter aus anderen Ländern. Die Gerufenen kamen! Sie kamen aus Ländern wie Italien, Griechenland und der Türkei. Aus dem Anfang nur für einige Jahre geplanten Aufenthalt sind mittlerweile über 60 Jahre geworden! Die ehemaligen Gastarbeiter bekamen später Kinder und auch ihre Kinder bekamen Nachfahren und schlugen Wurzeln in ihrer neuen Heimat Northeim.
Uns aber interessiert aus welchen Gründen die Gastarbeiter hierher gekommen sind und welche Wünsche sie hatten!
Wie wurden sie empfangen?
War ihre Integration erfolgreich?
Wenn nicht, was war der Grund?
Bereuen Sie es, diesen Schritt gemacht zu haben?
Diese und viele weitere Fragen sind wir vom Köprü Integrationsverein e.V. auf den Grund gegangen! Nachfolgend sind einige Interviews zu sehen. Gefördert wurde das Projekt freundlicherweise von der Koordinierungsstelle Demokratie Leben der Stadt Northeim.
Abdullah DÖMEN:
Stell dich doch mal vor, wer bist du?
Hallo, ich bin der Abdullah Dömen, bin 54 Jahre alt, am 2. Mai 1970 geboren.
Lebe seit meinem 8. Lebensjahr hier in Deutschland. Bin 1978 als Nachzügler nach Deutschland gekommen. Arbeite seit 35 Jahren bei der Conti als Anlagenführer. Habe zwei Kinder, bin verheiratet, die eine studiert, der eine ist in der zehnten Klasse.
Wann bist du nach Deutschland gekommen?
Mein Vater ist 1971 hierher gekommen und meine Mutter 1973 mit mir damals.
Aus welchem Grund sind deine Eltern nach Deutschland gekommen?
Mein Vater war Tischler, der wollte sich was aufbauen in der Türkei. Hat gedacht, er geht nach Deutschland, kauft sich ein paar Maschinen und arbeitet dann später als Tischler wieder in der Türkei.
Wann ist die Entscheidung gefallen, dass ihr hier in Deutschland bleiben wollt?
Später war es eigentlich klar, dass wir hier bleiben. Auch wegen meinem Bruder, weil er querschnittsgelähmt war und die Versorgung hier besser ist. Und dann sind wir erwachsen geworden und haben geheiratet, Enkelkinder gekriegt. Jetzt können meine Eltern noch nicht mal runter, die fliegen mal runter, sind ein paar Monate da, kommen dann wieder, weil die Kinder jetzt hier leben.
Yurdanur DEMIRKAN:
Stell dich doch mal vor, wer bist du?
Hallo, mein Name ist Yurdanur Demirkan. Ich lebe seit 1975 in Deutschland. Ich bin 62 Jahre alt und seit 1982 verheiratet. Ich habe zwei Kinder: eine Tochter, die 40 Jahre alt ist, und einen Sohn, der 32 Jahre alt ist. Hauptsächlich arbeitete ich als Kellnerin in Cafés.
Wie war es für dich, als du mit 13 Jahren nach Deutschland gekommen bist?
Ich habe in der Mittelschule die 1. Klasse angefangen, habe dann ab der siebten Klasse die Hauptschule besucht, aber zu diesem Zeitpunkt hatte ich kein Wissen über die deutsche Sprache. Glücklicherweise waren meine Klassenkameraden sehr hilfsbereit, und ich war nicht allein; es gab auch andere türkische Schüler. Wir trafen uns oft in den Pausen und sprachen Türkisch. Zunächst machte ich mir keine Mühe, Deutsch zu lernen, da ich nicht hier bleiben wollte. Ich fühlte mich verloren und frustriert, weil ich nichts um mich herum verstand.
Im Laufe der Zeit, als meine Mitschüler in höhere Klassen aufstiegen, wurde mir klar, dass ich Deutsch lernen musste. Ich nahm auch an Deutschkursen teil.
Was wusstest du über Deutschland?
Hier gibt es alles. Auch Puppen, die sprechen können.
Aus welchem Grund sind deine Eltern nach Deutschland gekommen?
Meine Familie hatte finanzielle Schwierigkeiten; mein Vater war der alleinige Verdiener, und meine Mutter arbeitete nicht. Als meine Mutter nach Deutschland kam, ließ sie sich zuerst in Stuttgart nieder und arbeitete in einem Hotel. Zuerst hatte sie keine eigene Wohnung, da es schwierig war, eine Unterkunft zu finden.
Dann wollte sie nach Northeim ziehen, um eine Wohnung zu mieten, in die sie meinen Vater holen konnte. Hier hatte sie Bekanntschaft.
Ibrahim KARACA:
Stell dich mal kurz vor, wer bist du?
Mein Name ist Ibrahim Karaca, 63 Jahre alt,
verheiratet, Vater von zwei Kindern und ich arbeite als Schuhmacher hier in Northeim.
Hast du schon immer in Northeim gelebt?
In Northeim seit 22, 23, 24 Jahren schon.
Woher bist du gebürtig?
Aus Türkei, Uşak.
Wann bist du nach Deutschland gekommen?
1978. Gerade 18 Jahre geworden, da bin ich nach Deutschland gekommen.
Aus welchem Grund bist du hierhergekommen?
In der Türkei war es ganz schwer, weil 1976, 1977, 1978 waren in der Türkei Straßenkämpfe, rechts und links, also Kommunismus und Faschismus, und wir durften oder konnten nicht in die Schule gehen und studieren. Und das Leben war schwer für uns.
Was wusstest du über Deutschland?
Viele Bekannte, Verwandte in Deutschland, also die nach Deutschland gekommen sind und hier gearbeitet haben, haben erzählt, dass hier das Leben besser ist als in der Türkei.
Dann haben wir gesagt, versuchen wir es, nach Deutschland ein paar Jahre lang und dann zurück in die Türkei.
Süleyman YILDIZ:
Stell dich doch mal vor, wer bist du?
Hallo, ebenfalls willkommen. Also, ich heiße Süleyman Yildiz, bin aber in Northeim unter dem Spitznamen Suli eher bekannter. Lebe seit 1970 in Deutschland, bin verheiratet, habe eine deutsche Frau und zwei Kinder und bin 64 Jahre alt.
Hast du schon immer in Northeim gelebt?
Nein, als ich aus der Türkei nach Deutschland kam, haben wir sechs Jahre im Dassel-Kreis bei Einbeck gelebt und dann sind wir nach sechs Jahren aufgrund der Arbeitsverhältnisse meiner Mutter nach Northeim umgezogen. Ich war elf Jahre alt, als ich nach Deutschland kam.
Was wusstest du vorher über Deutschland?
Ich wusste gar nichts, als meine Mutter als erste nach Deutschland gekommen ist und ich weiß es wie heute noch, in dem Bahnhof in Istanbul, in Sirkeci, Mutter fährt mit dem Zug mit vielen türkischen Arbeitnehmern nach Deutschland.
Wir wussten gar nicht, wo Deutschland lag, wussten gar nichts.
Aus welchem Grund bist du auch nach Deutschland gekommen?
Ich bin nach Deutschland gekommen aufgrund der Familienzusammenführung. Zuerst war meine Mama hier, wie gesagt, ein Jahr später mein Papa und anderthalb Jahre später sind wir mit zwei jüngeren Geschwistern nach Deutschland gekommen.
Wie wurdest du in Deutschland empfangen?
Als wir vom Flughafen in die Wohnung kamen, welches mein Papa und meine Mutter bewohnt haben, habe ich der Hauswirtin auf türkischer Weise die Hand geküsst, weil wir das ja aus unserer Kultur so kennen, hatten aber eine gute Vermieterin. Die eine Schwester war nicht schulpflichtig, also sie war noch jünger. Mit der anderen Schwester bin ich in die dritte Klasse gekommen. Kein Wort Deutsch, aber wir hatten eine Lehrerin, möge sie in Frieden ruhen, die Frau Gramatzki, die hat uns sehr geholfen, welche ich heute noch nie vergessen werde.
Wie gesagt, wir haben viel Zuspruch bekommen von den Nachbarn und so. Also ich kann nichts Negatives sagen, wir sind gut aufgenommen worden.
Ümit PÜRTELAS:
Stell dich mal vor, wer bist du?
Danke schön. Mein Name ist Ümit, mein Nachname Pürtelaş. Ich wurde in Istanbul, Türkei, geboren. Ich bin dort aufgewachsen. Von dort ging ich zum Militär. Nachdem ich den Militärdienst verlassen hatte, kamen meine Papiere heraus. Ich wurde nach Deutschland eingeladen, zur Arbeitsagentur.
Ich ging zur Agentur für Arbeit. Natürlich gab es auch andere wie mich. Den Gesundheitscheck haben wir alle bestanden. Sie haben sich unsere Zähne angeschaut und haben jeden Teil unseres Körpers untersucht, deutscher Arzt.
Danach gaben sie uns ein Adresse und wir kamen mit dem Zug nach Deutschland.
Was wusstest du über Deutschland?
Zu dem Zeitpunkt wusste ich lediglich, dass Deutschland wirtschaftlich ein starkes Land sei.
Was hat dich bewegt nach Deutschland zu kommen?
Ich habe als Schuster in meinem eigenen Betrieb gearbeitet.
Die Maschine, an der ich arbeitete, war alt. Lass mich nach Deutschland gehen, etwas Geld verdienen und mir einen Schuhautomaten kaufen. Ich wollte die Technik dort auch für meinen Beruf sehen. Aber wir sind hiergeblieben, weil die Lebensbedingungen hier besser waren.
Jahre vergingen, zuerst hatten wir ein Kind und später kam dann noch eines dazu. Das hat uns hier angebunden.
Sabiha Güler